In diesem apokalyptischen Sommer gibt es einen Gletscher, der mehr als alle anderen unter der Hitze zu leiden scheint: die Marmolada.
Die Königin der Dolomiten muss zusehen, wie der Gletscher schwindet, der sie seit jeher auszeichnet: In diesen Tagen haben die Temperaturen noch nie gemessene Werte erreicht, mit ganzen 13 Grad in den Mittagsstunden und Temperaturen, die nun schon seit mehr als 30 Tagen durchgehend über dem Gefrierpunkt liegen.
Keine Atempause für die Eisschmelze, die jeden Sommer unaufhaltsam voranschreitet, während im Winter immer weniger Schnee fällt.
Um dieses Naturerbe nicht verschwinden zu sehen, hat die Marmolada S.p.a. (die Betreibergesellschaft der Liftanlagen) bei der Autonomen Provinz Trient beantragt, auch den Marmolada-Gletscher in das Projekt zum Schutz der Gletscher aufzunehmen, das vor einigen Jahren auf dem Presena-Gletscher ins Leben gerufen wurde.
Das Projekt am Presena sieht die Schließung der Skilifte in den ersten Junitagen (also den Verzicht auf Sommerski) und die Abdeckung des Schnees mit speziellen weißen Geotextilplanen vor, um das Eis vor Sonne und Regen zu schützen.
Diese Initiative hat beachtliche Ergebnisse erzielt, sodass die Planen es ermöglichen, 50 bis 200 cm Schnee pro Jahr zu retten. Der Presena-Gletscher ist nicht der einzige, der im Sommer durch Geotextilplanen geschützt wird: Ähnliche Beispiele finden sich im Aostatal und im Piemont (Monte-Rosa-Massiv), in Österreich im Stubaital sowie in der Schweiz.
Die Ergebnisse sind so erstaunlich, dass Forscher sogar so weit gehen zu sagen, dass Geotextilplanen das einzige Mittel sein könnten, um die Auswirkungen der fortschreitenden globalen Erwärmung einzudämmen.

Presena-Gletscher August 2012, Foto von Valtorta Matteo
So hat die Marmolada S.p.a. im vergangenen Jahr den Antrag gestellt, in das Projekt aufgenommen zu werden, doch bis heute gab es keine Antwort. Die Betreibergesellschaft der Liftanlagen ist auf Kriegsfuß und wirft der Provinz Trient vor, den Gletscher allein deshalb sterben lassen zu wollen, weil er im Grenzgebiet liegt.
Die Autonome Provinz Trient entgegnet, dass kein Antrag gestellt worden sei seitens der Marmolada S.p.a. und dass der einzige eingegangene Antrag jener von Adamello Ski zum Schutz des Presena-Gletschers sei.
Die Hitze lässt nicht nur den Schnee schmelzen, sondern heizt auch die Debatte rund um das Thema „Marmolada und Geotextilplanen“ an; es bleibt zu hoffen, dass politische und administrative Streitigkeiten beiseitegelegt werden und man sich auf die notwendige Arbeit konzentriert, um ein Naturerbe namens „Marmolada-Gletscher“ zu retten



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