Globale Erwärmung

4 Meter Schnee auf dem Presena-Gletscher, doch die technische Beschneiung läuft weiter

Presena Schnee-Auffüllung

Offiziell hat der Frühling bereits begonnen, doch auf 3000 Metern Höhe auf dem Presena-Gletscher befinden wir uns noch mitten im tiefsten Winter. Der Schneebericht meldet in den Hochlagen stolze 400 cm Schnee, und sehr wahrscheinlich ist der Höchststand dieser Saison noch gar nicht erreicht – eine gewaltige Menge, aber nichts Ungewöhnliches für eine der schneereichsten Regionen Italiens. Hier bildet der Gletscher den geografischen und historischen Bezugspunkt der Adamello-Gruppe: Sein ewiger Schnee war Zeuge tragischer Ereignisse wie des Ersten Weltkriegs, empfing aber auch berühmte Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II.

Presena-Gletscher Beschneiung

Im Winter wird der Presena-Gletscher zum Trainingsrevier für Skiprofis und Schneebegeisterte, die den Tonale-Pass als Skiziel wählen; die große Höhenlage ermöglicht die Öffnung der Liftanlagen bereits im November, woraufhin die Saison ohne Unterbrechung bis in den Juni hinein andauert.
Im Sommer zieht sich der Schnee jedoch rasch zurück und bringt nicht nur Relikte aus dem Ersten Weltkrieg ans Tageslicht, sondern auch eine bittere Wahrheit: Der Gletscher schwindet dahin. Seine Schneefläche geht Jahr für Jahr zurück und lässt dieses kostbare Juwel aus ewigem Schnee und Eis schrumpfen. Einst erlaubten ergiebige Winterschneefälle und gemäßigtere Sommertemperaturen den Skifans auch im Hochsommer das Skifahren, doch seit einigen Jahren zwingt die Klimaerwärmung die Touristiker dazu, auf den Sommerskibetrieb zu verzichten, um den Gletscher zu schonen. Das rasche Abschmelzen erforderte zudem aktive Rettungsmaßnahmen mit Geotextil-Schutzvliesen, mit denen der Gletscher abgedeckt und vor Sonneneinstrahlung und Regen geschützt wird.

Die Ergebnisse sind außergewöhnlich: Ganze 2 Meter Schnee werden jedes Jahr gerettet, und der Gletscher konnte so bislang vor dem vollständigen Verschwinden bewahrt werden.

Schnee kann man nie genug haben

Im Winter kommen neben den reichlichen Naturschneefällen auch die Anlagen zur technischen Beschneiung zum Einsatz – auch dies ist fester Bestandteil des Schutzprojekts für den Presena-Gletscher.
Die tiefen Temperaturen mitten im Hochwinter ermöglichen es, mit geringerem Ressourcenaufwand an Strom und Wasser große Mengen an Kunstschnee zu erzeugen; dieser ergänzt den Naturschnee und liefert wertvollen Nachschub zum Erhalt der Gletscheroberfläche.
Genau deshalb laufen die Schneekanonen während der Wintersaison trotz der riesigen vorhandenen Schneemengen unermüdlich weiter, um einen der letzten befahrbaren Gletscher Italiens zu retten.

Die technische Beschneiung spielt gegenüber der Sommerabdeckung mit Schutzvliesen keine untergeordnete, sondern eine ergänzende Rolle: Während die „magische Decke“ das Eis im Sommer vor der Sonne schützt, verbindet sich der technische Schnee im Winter mit dem Naturschnee zu einem so dicken Schutzpanzer, dass selbst die heißesten Sommer ihm nur schwer etwas anhaben können.

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