Hochgebirgsalpinismus

Neues Bivacco Gervasutti auf dem Freboudze-Gletscher aufgestellt

Das Biwak Gervasutti steht auf einem Felssporn auf 2.835 Metern Höhe unterhalb der spektakulären Wände der Grandes und Petites Jorasses und der Aiguille des Leschaux und ist Ausgangspunkt herrlicher Kletterrouten: von der Route durch die Ostwand der Grand Jorasses, 1942 von Giusto Gervasutti und Giuseppe Gagliardone eröffnet und 1985 von Renato Casarotto im Winter im Alleingang wiederholt, bis zur Ostwand der Petites Jorasses, 1962 erstmals von Walter Bonatti und Pierre Mazeaud durchstiegen und auch Weg der Freundschaft genannt – in Erinnerung an die Freunde, die ein Jahr zuvor beim Versuch am Zentralpfeiler des Frêney ums Leben gekommen waren.

Bonatti, Mazeaud und Casarotto sind nur einige der vielen Alpinisten, die sich im Buch des Biwaks verewigt haben, das 1948 von der Untersektion SUCAI als Ersatz für das 600 Meter tiefer gelegene Biwak Freboudze errichtet wurde (in den 80er-Jahren abgebaut und heute im Bergführermuseum von Courmayeur aufbewahrt).
Das vollständig aus Holz gefertigte Biwak wurde, bevor es dank der Hilfe und Arbeit der Mitglieder der Sucai und der Alpini in die Höhe gebracht wurde, einen Monat lang in Turin auf der Piazza CLN ausgestellt. Man beschloss, es nach Giusto Gervasutti zu benennen, dem „bärenstarken“ Turiner Alpinisten – eben in Erinnerung an seine Erstbegehung der Ostwand der Grandes Jorasses.

Nach einigen Beschädigungen wurde die Hütte 1961 vollständig neu gebaut, wiederum aus Holz und wiederum von der Untersektion SUCAI. Dank eines von der amerikanischen Armee zur Verfügung gestellten Hubschraubers konnte der Großteil des Materials in die Höhe geflogen werden, sodass man es nicht auf dem Rücken über den Pfad tragen musste, der vom Talboden rund 1.200 Höhenmeter hinaufführt.
Heute, fünfzig Jahre nach dem letzten Neubau, haben die Schule, die Untersektion SUCAI und der CAI Torino beschlossen, eine neue Unterkunft als Ersatz für die bestehende zu errichten.

foto neues biwak gervasutti

Heute ein Konzentrat an Technologie, das die Umwelt respektiert

Das erste alpine Biwak der neuesten Generation, eine extreme Synthese aus Komfort, Sicherheit und Umweltverträglichkeit, wurde in diesen Tagen auf 2.835 m Höhe auf dem Freboudze-Gletscher aufgestellt, gegenüber der spektakulären Ostwand der Grandes Jorasses am Mont Blanc.

Die innovative Struktur, in Auftrag gegeben vom CAI Torino und mit Nachdruck gewünscht von der Schule und der Untersektion SUCAI – entworfen von den Architekten Luca Gentilcore und Stefano Testa – ist ein neuartiges Biwak aus Verbundwerkstoff (Sandwich aus Glasfaser und hochdichtem PVC) mit einer modularen Hülle von dreißig Quadratmetern. Das Biwak der Zukunft, mit Photovoltaikmodulen betrieben, hat eine geringe Umweltbelastung und ist bereits Pilotmodell für weitere hochtechnologische und nachhaltige Standorte. Als Ergebnis ausgefeilten Know-hows aus Schiff- und Luftfahrt ist es darauf ausgelegt, den Bedingungen im Hochgebirge besser standzuhalten.
Im Inneren arbeitet ein eigenes System zur Selbstdiagnose und zur Erfassung von Umweltdaten innen und außen; außerdem gibt es eine Notrufstelle. Ein Internetanschluss wird es dem Biwak ermöglichen, ständig mit der Welt verbunden zu sein, um in Echtzeit Informationen über die Wetterbedingungen zu liefern, die Belegung zu organisieren und eine Gemeinschaft von Besuchern ins Leben zu rufen, die Neuigkeiten im virtuellen „Hüttenbuch“ austauschen können. Und das, ohne auf das Vergnügen zu verzichten, die eigenen Eindrücke in das im Biwak aufbewahrte Hüttenbuch aus Papier zu schreiben.

Eine Mischung aus Technologie und Umweltbewusstsein – dennoch fehlte es nicht an Kritik, die sich vor allem auf die Ästhetik richtete. Der Vorwurf lautet, die neue Hütte sei ein Fremdkörper in ihrer Umgebung und fehl am Platz; ihr Aussehen entspreche nicht dem traditionellen Bild der Berge.

 

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