Wissenswertes

10 Meter hohe Schneewände: Die Busse auf der Tateyama-Route

Wer den Schnee liebt, hat im Internet bestimmt schon einmal jene spektakulären Fotos von Reisebussen gesehen, die auf einer schmalen Straße zwischen zwei haushohen Schneewänden hindurchfahren.
Viele halten diese Aufnahmen auf den ersten Blick für Fotomontagen, die im Netz kursieren – doch weit gefehlt!
Die berühmten Bilder der von riesigen Schneemauern eingerahmten Busse sind absolut echt und stammen aus Japan: Aufgenommen wurden sie entlang der „Tateyama Kurobe Alpine Route“, einer der faszinierendsten Panoramastraßen der Welt, die das höchste Gebirgsmassiv Japans durchquert, auf fast 3000 m Höhe hinaufführt und durch eine der schneereichsten Regionen der Erde verläuft.
Bus im Schnee

Jedes Jahr zwischen April und Mai unternehmen rund 1 Million Besucher eine Fahrt zwischen den Schneewänden dieser Gebirgskette auf einer 37 km langen Strecke mit fast 2000 Metern Höhenunterschied, die von 7 öffentlichen Verkehrslinien mit 5 verschiedenen Verkehrsmitteln – Standseilbahn, Luftseilbahn, Oberleitungsbus, Reisebus und zu Fuß (sofern man Letzteres als öffentliches Verkehrsmittel zählen möchte) – bedient wird.
Ursprünglich wurde diese Route für den Bau eines riesigen Staudamms inmitten der Berge angelegt; nach Abschluss der Bauarbeiten wurde die Trasse für den Besucherverkehr ausgebaut, um eine touristische Verbindung zwischen den Präfekturen Toyama und Nagano zu schaffen.
Die Alpine Route wird unter strengen Umweltauflagen betrieben, um das einzigartige Naturerbe dieser Hochgebirgslandschaft zu schützen und gleichzeitig einen nachhaltigen Bergtourismus zu ermöglichen.

20 Meter Schnee: Die gigantischen Schneewände Japans

Nach den technisch-touristischen Eckdaten der Strecke kommen wir nun zu dem Aspekt, der uns am meisten fasziniert: dem SCHNEE.
Wie eingangs erwähnt, handelt es sich hierbei um eine der schneereichsten Regionen Japans – und sehr wahrscheinlich unseres gesamten Planeten. Die auf den Fotos zu sehenden Schneewände ragen 7 bis 10 Meter in die Höhe und stammen keineswegs von Lawinenabgängen, sondern von den gewaltigen Schneefällen, die dieses Gebirge den ganzen Winter über eindecken.
Und wer 10 Meter Schnee schon für unglaublich hält, sollte wissen, dass sich an den windgeschützten Verwehungsstellen im Laufe des Winters stellenweise sogar bis zu 20 Meter Schnee auftürmen.
Entlang der Route befinden sich auch Unterkünfte wie Berghotels und Hütten, die als Stützpunkte für Schneeschuhwanderer und Skitourengeher dienen, welche die umliegenden Gipfel besteigen.

Wie räumt man 20 Meter Schnee?

Natürlich gibt der Winter diese Straße im Frühling nicht von alleine frei: Sobald die strengste Winterkälte nachlässt und die Frühlingssonne für mildere Temperaturen sorgt, rücken hoch oben die Räumtrupps an und beginnen mit der wochenlangen, schweißtreibenden Schneeräumung. Zum Einsatz kommen dabei per GPS gesteuerte Spezial-Schneefräsen, schwere Bagger und Planierraupen, die sich Schicht für Schicht durch die gigantischen Schneemassen fräsen und Zentimeter für Zentimeter die Schlucht freilegen, durch die im Frühling die staunenden Touristen rollen.
Hier unten ein Video, das keiner weiteren Worte bedarf:

Ein absolutes Traumspektakel für alle Schneeliebhaber – und wenn Ihnen das nächste Mal jemand erzählt, diese Bilder seien bloß eine Fotomontage, können Sie ihm einfach diesen Artikel schicken! Das Schneeparadies existiert tatsächlich – und es liegt in Japan!

Unter 10 Metern Schnee begrabene Berghütte

PS: Auch in Italien müssen wir uns keineswegs verstecken – werfen Sie nur einen Blick auf diese Aufnahmen aus Sella Nevea vom Frühjahr 2009

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