Globale Erwärmung

Nullgradgrenze auf 4600 m, die Gletscher ziehen sich zusehends zurück

Stilfser Joch 22. August

Nullgradgrenze auf 4600 m, 13 Grad auf 3300 m, Gletscher, die sich um 6 cm pro Tag zurückziehen:
Es klingt wie das Szenario eines Katastrophenfilms, ist aber bloße Realität, die Realität des Sommers 2012.
Dies sind nur einige der von Experten erhobenen Daten – Daten, die das Herz bluten lassen und uns vor Augen führen, dass die Gletscher mittlerweile vom Aussterben bedroht sind.

Stelvio 22. August

Noch nie haben die großen alpinen Eisreserven so viel Schneefläche verloren wie in diesem Jahr: Die geringen Schneefälle des Winters und der heißeste Sommer seit 2003 haben zu einem verheerenden Ergebnis geführt.
Am meisten leiden darunter vor allem die Gletscher im Nordosten, die sich nach einem Winter ohne Schnee mit einem Sommer von afrikanischem Klima und Temperaturen von über 32 Grad bereits auf tausend Metern Höhe konfrontiert sahen.
Ein eklatantes Beispiel ist die Marmolada (3300 m): Seit Anfang August ist die Temperatur nie unter den Gefrierpunkt gesunken (nicht einmal nachts), und in den Mittagsstunden werden ganze 13 Grad gemessen.
Solch hohe Temperaturen lassen das Eis so schnell schmelzen, dass man den Rückgang von Tag zu Tag messen kann: Die Erhebungen sprechen von 6 cm Verlust pro Tag – Schnee, der höchstwahrscheinlich auch mit dem Einbruch des Winters nie wieder zurückkehren wird.

Auch in Trentino Alto Adige herrscht Alarmstufe Rot: Auf dem Mandrone-Gletscher zeigen die Messungen, dass er sich seit Sommerbeginn um ganze 10 Meter zurückgezogen hat und die Gletscherstirn um volle 5 Meter niedriger liegt als im Sommer 2011.
Auf dem Mandrone hat der Rückzug des Gletschers eine Bombe aus dem Ersten Weltkrieg ans Tageslicht gebracht, und das ist nicht der einzige Fund: Auf dem Stilfser-Joch-Gletscher wurde ein Bergschuh gefunden, wie ihn die italienischen Gebirgstruppen im Ersten Weltkrieg trugen.
Obwohl die Lage kritisch ist, beruhigt das Zentrum Pirovano die Touristen und lässt den Sommerskibetrieb weiterlaufen.

Jenseits der Alpen sieht die Lage nicht anders aus: Hintertux, Stubai, Les 2 Alpes und Tignes gleichen einem Schweizer Käse, doch auch hier geht der Sommerskibetrieb weiter – hier ist der Artikel, den wir vor einigen Wochen veröffentlicht haben
http://news.mondoneve.it/ghiacciai-caldo-estate-2012_4853.html

Auch das Plateau Rosà beginnt nachzugeben; selbst seine 4000 m Höhe reichen nicht aus, um es vor Luzifer (dem Namen der neuen Hitzewelle) zu schützen. Die Nullgradgrenze auf 4600 m lässt kein Entkommen, und so sind die gesamten Alpen der glühenden Hitze ausgeliefert.

Erst am Ende der Saison wird man eine Bilanz der Lage ziehen können, doch es steht fest, dass der Sommer 2012 irreparable Schäden angerichtet hat und vielleicht nicht einmal ein Winter wie jener von 2008/09 ein Debakel dieses Ausmaßes wieder wettmachen kann.

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